NarrDerNacht

Herbert Fritsche: Krähenstunde

Die Krähen übertaumeln - schwarze Scharen -
Das Dach, darunter mein Altar verdirbt.
Und wundgeschunden von den bittren Jahren
Blick ich durchs Fenster, wo in wunderbaren
Entflammungen der Tag gen Westen stirbt.

Die Krähen kreisen. Ihre Flügelschläge
Zerfetzt von Zeit zu Zeit ein heisrer Schrei.
Ein Krähenmühlrad dreht sich zäh und träge
Zu Häupten meiner Not - und ich erwäge,
Was wohl der Sinn des düstren Taumels sei.

Sind sie der Wahnsinn, der, mich einzukreisen,
Als Schwarm von Totenvögeln näherschwebt?
Warum zerkrächzen ihre wüsten Weisen
Das letzte Liebeslied, das noch mit leisen
Verheißungsklängen mir im Herzen lebt?

Ich frage es. Die Antwort gibt das Grauen,
Das langsam aus der Landschaft nach mir langt.
Kein Trostgestirn erblüht mir mehr im Blauen-
Und dort durchs Dunkel geht Ihr fremden Frauen,
Um die ich einst gebetet und gebangt.

Ihr nahmt es hin. Ich bin allein geblieben.
Die Krähen kreisen meinen Giebel ein -
Und was ich je mit meinem Blut geschrieben,
Ihr hießet's mich zuletzt ins Leere lieben.
So sind die Nacht nur und das Nein noch mein.

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